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Black Friday – Rabattflut, die sich lohnt oder mehr Schein?

Black Friday 2021 naht und damit auch eine belastende Zeit für deinen Geldbeutel. Doch lohnen sich die angepriesenen Schnäppchen wirklich oder wird hier mit ziemlich ausgefuchsten Tricks gearbeitet, um KonsumentInnen in die Falle zu locken?
Nachhaltigkeit
Stefanie Hermuth
5 Minuten

In der Vorweihnachtszeit sind riesige Menschenansammlungen und VerkäuferInnen, die zur Höchstform auflaufen, die Norm. Allerdings sorgt das größte Shopping-Event der westlichen Welt gegen Ende November jedes Jahr für einen Ausnahmezustand. Die Rede ist vom Black Friday, der das Highlight der sogenannten Cyber Week darstellt, in der HändlerInnen ihre Waren zu massiv reduzierten Preisen anbieten. Dieses Jahr fällt der Black Friday auf den 26. November. Doch stellt sich die Frage, ob die Rabattschlacht dir wirklich die Möglichkeit bietet, ein gutes Schnäppchen zu machen oder du dich hier auf einen teuren Trip einlässt, den du bereits am nächsten Tag bereust.

Einmaliges Event

Ursprünglich ist der Black Friday von Amerika aus zu uns nach Deutschland übergeschwappt. Dieser betrifft den Freitag nach Thanksgiving und wird dort so stark ersehnt, dass ungefähr ein Drittel der amerikanischen Bevölkerung an diesem Tag in Malls anzutreffen ist. Fotos bzw. Aufnahmen von dort erinnern meist weniger an ein Shopping-Event als an einen Kampf ums nackte Überleben. Die Jagd nach dem besten Schnäppchen beginnt in manchen Einkaufszentren bereits am Vorabend, um KonsumentInnen bis zu 30 Stunden Shopping Wahnsinn zu ermöglichen. Überall sieht man Polizisten und MitarbeiterInnen des Sicherheitsdiensts, die für die notwendige Ordnung zuständig sind. Von Ordnung kann hier allerdings meist keine Rede mehr sein, da viele Menschen oft die Ersten in der Mall sein wollen und daher schon Stunden vorher vor dem Eingang dieser campen.

Für die MitarbeiterInnen der Mall ist der Black Friday ebenfalls mit viel Stress verbunden, da sie die Waren stapeln, Preisschilder aufstellen bzw. ändern und in kürzester Zeit so viel wie möglich verkaufen müssen. Von ihnen wird eine Höchstleistung erwartet, der sie gerecht werden müssen, um an diesem besonderen Tag den Umsatz des Geschäfts maßgeblich zu steigern.

Durchschnittlich versprechen HändlerInnen einen Rabatt von bis zu 37 % und locken damit viele Menschen an, die am Black Friday auch bereit sind, bis zu 830 Dollar auszugeben.

Black Friday in Deutschland

Lange Zeit gab es den Black Friday in Deutschland nur online. Mittlerweile ist er jedoch auch im stationären Handel angekommen und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Kannten im Jahr 2017 gerade einmal 77 % der Deutschen den Begriff „Black Friday“, wissen heute ca. 94 % aller Deutschen, was genau damit gemeint ist. So extrem wie in Amerika läuft der Shopping Wahnsinn jedoch nicht ab. Kaum ein Geschäft lässt es sich nehmen, sich an der Rabattflut zu beteiligen. So warb z.B. die Mall of Berlin für den Black Friday 2020 mit bis zu 60 % Rabatt und öffnete ihre Geschäfte bis 22 Uhr für alle Kaufwilligen. Aber die eigentliche Frage wurde noch nicht beantwortet. Inwiefern lohnt sich der Black Friday 2021 wirklich für dich?

Schnäppchen oder Schnäppchenfalle?

Generell betrachtet, lohnt sich ein Kauf am Black Friday schon, aber die Einsparung fällt letztendlich nicht so groß aus, wie es dir in der Werbung versprochen wird. Laut vielen Vergleichsplattformen sind am Black Friday tatsächlich bis zu 74 % aller Artikel reduziert, dennoch sparst du im Schnitt gerade einmal 6 %. Mit welchen Tricks HändlerInnen hier arbeiten, möchten wir dir im Nachfolgenden gerne erklären. Verbraucherschützer warnen jedes Jahr vor der gängigen Praxis vieler HändlerInnen; die Preise werden bereits im Vorfeld erhöht, um am Black Friday einen noch größeren Rabatt ankündigen zu können. Auch eine künstliche Verknappung soll dazu führen, dass KonsumentInnen schneller zugreifen, weil sie befürchten, die Waren letztendlich nicht mehr zu bekommen. So wird dir z.B. angezeigt, dass die Couch, die du schon so lange im Visier hast, nur noch zweimal vorhanden ist, obwohl das Lager mit großer Wahrscheinlichkeit noch prall gefüllt ist. Dich erwarten also Schnäppchen, die gar keine sind.

Weiterhin hat der Black Friday nur ein Ziel: Den Konsum ankurbeln, damit sich die Lagerhallen der HändlerInnen leeren. Resultierend daraus lässt sich festhalten, dass KonsumentInnen Dinge kaufen, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Gerade die Elektronik- und Kosmetikbranche profitieren enorm und machen jedes Jahr zusätzliche Umsätze in Milliardenhöhe. Der Black Friday beinhaltet also vor allem eines: eine mehr als ausgefuchste Marketingstrategie. Es braucht, bei gesättigten Märkten wie Deutschland sie hat, genau solche Anlässe, um KonsumentInnen zu noch größerer Kauflust zu animieren.

In all deiner Kauflust und dem Blitzen der Rabatte in deinen Augen kann es ebenfalls passieren, dass du noch viel mehr kaufst, als du dir eigentlich vorgenommen hast. Viele KonsumentInnen werden in diesem Moment einfach schwach. Tatsächlich wurde diese Annahme mittlerweile von Neurowissenschaftlern bewiesen. Allein die Prozentzeichen auf den Preisschildern sorgen dafür, dass das Belohnungssystem in deinem Gehirn aktiviert wird und du letztendlich auch noch eine Menge Dinge kaufst, die du gar nicht eingeplant hast. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die großen Rabatte, welche vom Black Friday befeuert werden, zu mehr Verkäufen führen und diese wiederum zum Trend der Discount-Gesellschaft beitragen. Du selbst gewöhnst dich übrigens so sehr daran, deine Produkte unter dem Vorbehalt eines Rabatts zu kaufen, dass du diese kaum noch zu ihren normalen Preisen kaufen wirst. Rabatte funktionieren halt genau so, wie Drogen es auch tun. Sie aktivieren ganz genau dieselben Areale in deinem Gehirn.

In Amerika ist es Gang und Gebe, dass KonsumentInnen sich um das letzte Schnäppchen schubsen bzw. prügeln. Die trampelnden Massen schlagen im Kaufrausch wild um sich, weshalb es in Amerika jedes Jahr eine Menge Verletzte gibt. Zwar ist der Black Friday in Deutschland noch lange nicht mit dem Black Friday in Amerika zu vergleichen, aber der Trend wird hier natürlich vorgelegt.

Wahrscheinlich kommt dir Folgendes bekannt vor; du kaufst etwas und dein Körper reagiert mit einer anfänglichen Euphorie, die aber relativ schnell wieder abflaut. Wenn du einkaufst und es dir im Endeffekt aber gar nicht leisten kannst, folgen auf die anfängliche Euphorie auch schnell Klarheit und negative Emotionen, die sogar zu Schuldgefühlen und einer inneren Leere führen können. Gekrönt wird das ganze dann mit erneutem Konsum, um das Gefühl der Euphorie wieder zu verspüren. Voilà, wir präsentieren den ultimativen Teufelskreis, der dich leiten soll und in dem dir meist gar nicht klar wird, wie unglücklich du wirklich bist. Konsum macht nicht glücklich und auch wenn es sich anfangs so anfühlt, lasse dich davon nicht blenden.

Falls du es dir nicht nehmen lassen willst

Wir wollen hier auf keinen Fall eine Moralpredigt halten und dich davon überzeugen, dir jemals wieder etwas Neues zu kaufen. Falls du es dir also nicht nehmen lassen möchtest, am Black Friday ein mögliches Schnäppchen zu ergattern, haben wir nachfolgend noch ein paar kleine Tipps für dich.

  1. Sei dir sicher, dass es sich lohnt, vorher schon zu entscheiden, was du kaufen möchtest und die Preise online vor Antritt in die Mall zu vergleichen.
  1. Beachte auch, dass sich die Kosten meist im Kleingedruckten „verstecken“. So könnten hinter vermeintlich großen Rabatten, sehr hohe Versand- oder Retourkosten auf dich warten. Auch bei der äußerst beliebten Null-Prozent-Finanzierung ist Vorsicht geboten. Zahlst du im ersten Jahr nach dem Kauf eines Artikels noch den vereinbarten Nullzins, erwarten dich in den darauffolgenden Jahren Zinsen in einer Höhe von bis zu 16 %. Das ist weit mehr als bei den meisten Dispositionskrediten.
  1. Solltest du auf Seiten von unbekannten Onlineshops landen, prüfe vorher im Impressum die Angaben zum Unternehmenssitz, der Inhaberschaft und den Kontaktmöglichkeiten, um BetrügerInnen vor Bestellabschluss auf die Schliche zu kommen.

Fazit

Am Black Friday 2021 rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) mit einem Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein weiteres Plus von 18 %. Wie bereits erwähnt, wollen wir dir keine Moralpredigt zum Thema Konsum halten und dich dazu bewegen, nie wieder etwas Neues zu kaufen. Aber vielleicht hilft dir dieser Blogbeitrag dabei, die Tricks der HändlerInnen zu durchschauen und dir wird klar, dass sie den Black Friday als perfekte Möglichkeit erachten, neue KundInnen anzulocken und an sich zu binden. Wenn du also planst, am Black Friday ein wirklich gutes Schnäppchen abzustauben, beachte unsere Tipps und lasse dich nicht in diesen Kaufrausch ziehen, der dir im Endeffekt wenig bringt.

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