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Kinderarbeit – Was geht uns das an?

Was genau verbindest du mit dem Begriff "Kinderarbeit"? In unserem neuen Blogbeitrag liefern wir dir nicht nur eine passende Definition, sondern erklären dir auch, warum wir alle eine gewisse Mitverantwortung tragen.
Nachhaltigkeit
Stefanie Hermuth
5 Minuten

Allein bei dem Wort „Kinderarbeit“ dürften in den meisten Köpfen Bilder erscheinen, die als herzzerreißend wahrgenommen werden. Kinder, die in Fabriken schuften, in Minen kauern und auf Plantagen bei der Ernte helfen. Niemand mag für diese Art und Weise der Ausbeutung verantwortlich sein und doch ist es unser Lebensstil, der maßgeblich zu diesen Zuständen beiträgt. Die Corona Pandemie hat dieses Problem sogar noch verschärft. Wie genau alles miteinander zusammenhängt, möchten wir dir im Folgenden gerne erläutern.

Erschreckende Zahlen

Erstmals seit 20 Jahren sind die Fortschritte bei der Überwindung von Kinderarbeit ins Stocken geraten. Die Anzahl der Kinder in Kinderarbeit weltweit liegt aktuell bei 160 Millionen. Allein in den letzten 4 Jahren lag die Zunahme bei 8,4 Millionen Kindern. Ca. jedes 10. Kind ist betroffen und etwa jedes 20. Kind muss eine Arbeit verrichten, die als sehr gefährlich eingestuft wird. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO und das Kinderhilfswerk Unicef schätzen, dass etwas mehr als die Hälfte der arbeitenden Kinder jünger als 12 Jahre sind. Außerdem lebt die Mehrheit von ihnen in Afrika (86,6 Millionen) und Asien (51 Millionen). Dort arbeiten sie in der Landwirtschaft (70 %), als Hilfskräfte im Dienstleistungsbereich (20 %) und in der Industrie (10 %). Übrigens arbeiten knapp drei Viertel der Kinder mit oder für die eigene Familie.

So viel zu den Fakten, aber was genau versteht man denn nun unter Kinderarbeit? Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen definiert es ziemlich treffend: „Arbeiten, für die Kinder zu jung sind oder die gefährlich und ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.“

Pandemie als Brandbeschleuniger

Vor der Corona Pandemie lebten rund 580 Millionen Kinder in extremer Armut. Durch die Pandemie könnten laut der Vereinten Nationen weitere 142 Millionen Kinder in die Armut rutschen. In den Jahren 2020 und 2021 gab es in fast allen Ländern dieser Welt Lockdowns, welche 1,6 Milliarden Schulkinder betrafen. Davon mussten ca. 370 Millionen Kinder auf Schulspeisungen verzichten. Im informellen Sektor haben viele Personen ihre Arbeit verloren, da eine Rückkehr zur Schule lange ungewiss war. Kinder befinden sich also fortan in einer misslichen Lage, in der sie gezwungen sind, auch zu arbeiten, um die Familie versorgen zu können. Hierbei wird ebenfalls geschätzt, dass bis Ende 2022 weitere 9 Millionen Kinder durch die Pandemie in die Kinderarbeit gedrängt werden könnten.

Was geht uns das an?

Dass Kinder überhaupt zur Arbeit gezwungen sind, liegt hauptsächlich an Armut und den sozialen Strukturen in den betroffenen Ländern. Die ILO nennt allerdings auch bewaffnete Konflikte, Klimawandel, Urbanisierung und Globalisierung als begünstigende Faktoren. Dennoch tragen Unternehmen und Konsument:innen eine gewisse Mitverantwortung. In einer globalisierten Welt wirkt sich das Verhalten der Konsumenten auf diejenigen aus, die unsere Waren produzieren. 10 % der Kinderarbeiter:innen schuften für den Export also für Waren, die wir kaufen. Die drei wichtigsten Faktoren, die hierbei eine Rolle spielen, möchten wir im Folgenden gerne nennen.

Zum einen wäre da die Auslagerung der Produktion. Smartphones, Mode oder Schokolade sind alltägliche Konsumgüter, deren Produktion außerhalb Europas liegt. Diese findet in Ländern statt, in denen Arbeitsschutzstandards weniger streng oder effektiv und die Löhne niedriger sind. Das liegt daran, dass die benötigten Rohstoffe vor Ort sind, aber auch an der billigen Produktion. Hierbei sind Kinderarbeiter:innen übrigens besonders billig.

Andererseits kennen viele Unternehmen ihre eigene Lieferkette nicht. Marken- und Handelsunternehmen verfolgen häufig nicht nach, wo genau ihre Rohstoffe eigentlich herkommen, die meist von Kindern aufbereitet bzw. geerntet werden.

Dann wäre da auch noch die Tatsache, dass wir einfach zu viel konsumieren, da es zu günstig ist. Zu viel Konsum bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass viel billige Produktion von Nöten ist, um die Nachfrage zu decken. Dies geht natürlich auch mit einer hohen Nachfrage an gering bezahlten Arbeitskräften einher und so weiter. Den wahren Preis, der Massen an (Billig-)Waren bezahlen meist diejenigen, die diese herstellen. Jedoch bleibt der Preis nicht der einzig messbare Wert, an dem du dich orientieren kannst, da mittlerweile auch viele Hersteller:innen teurer Markennamen unter unwürdigen Bedingungen produzieren lassen, um ihren Profit zu steigern.

Es gibt viele Bereiche, in denen Kinder in die Arbeit gezwungen werden. Stichwörter wären hier Schokolade, Palmöl, Fast Fashion und Elektronikartikel. Diese gehören zu den prägnanten Bereichen, weshalb wir auf einige von ihnen, näher eingehen möchten.

Unfaire Schokolade

Unsere Konsumkultur trägt also maßgeblich zu den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in der Produktion bei und unsere Schokolade ist dafür ein gutes Beispiel. Der Großteil des Kakaos in unserer Schokolade stammt aus Westafrika. In Ghana und der Elfenbeinküste befinden sich relativ große Kakaoplantagen, weshalb hier während der Erntezeit Hunderttausende Kinder mit anpacken. Die Ernte geht mit unsicheren bzw. extrem gefährlichen Arbeitsbedingungen einher, wie z.B. Pestiziden, Arbeitsgeräten wie einer Machete und die schweren Säcke rand gefüllt mit Kakaobohnen. All dem werden Kinder ausgesetzt, obwohl es massiven Einfluss auf ihre Gesundheit nehmen kann. Teilweise werden diese sogar als Sklaven gehalten und misshandelt.

Falls du dich nun fragst, wie du dem entgegenwirken kannst, ist die Antwort relativ simpel. Versuche, nur noch Fair-Trade-Schokolade zu kaufen. Zwar ist diese meist etwas teurer, aber sie wird zu fairen Bedingungen produziert. Die Bäuer:innen erhalten Mindestpreise und sogar Prämien sind möglich. Tatsächlich setzen einige Hersteller:innen sogar auf einen direkten Handel, um diese fairen Arbeitsbedingungen garantieren zu können.

Fast Fashion

Das Bewusstsein für Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie wächst, weshalb der Druck auf die Industrie, transparent und fair zu produzieren, immer größer wird. In der Welt der Mode ist Kinderarbeit aufgrund des Baumwollanbaus und der Spinnereien ein großes Thema. Dennoch bleibt die textile Lieferkette extrem komplex und Outsourcing auch unter Zulieferern üblich. Somit wissen große Markennamen nicht genau, wer ihre Kleidung eigentlich produziert geschweige denn, wer ihre Baumwolle erntet. Eine vollständige Kontrolle gestaltet sich also generell schon schwierig. Hinzu kommt die Logik der Fast-Fashion-Konzerne, welche auf möglichst viele Kollektionen aus sind, die in großen Stückzahlen billig und oft auch kurzfristig produziert werden sollen. Die Produktionsbetriebe stehen also ebenfalls unter enormen Druck, welcher ausbeuterische Arbeitsbedingungen unterstützt.

Auch hier gestaltet sich die Lösung ziemlich easy. Versuche, ausschließlich Kleidung mit Fair-Fashion-Labels zu erwerben, die für faire und ökologische Bedingungen in der Produktion stehen. Es lohnt sich aber auch, immer mal wieder einen Second-Hand-Laden zu besuchen, da du so überhaupt nicht zu einer neuen Produktion beiträgst. Abgesehen davon, findet sich in vielen Läden Kleidung, die auch in zweiter oder dritter Hand noch sehr gut erhalten geblieben ist. Vielleicht findest du sogar ein Unikat, bei dem dir auf der nächsten Feier niemand die Show stehlen kann.

Fazit

Kinderarbeit mag viele Gesichter haben, aber alle sind erschreckend und teilweise nur schwer zu ertragen. Wir als Konsument:innen stehen hier in einer gewissen Mitverantwortung, der wir uns nicht so einfach entziehen sollten. Wenn man die Möglichkeit hat, durch kleine Veränderungen im eigenen Leben große Veränderungen in anderer Leut´s Leben zu verursachen, die durchweg positiv sind, dann ist es das doch wert, wenigstens mal darüber nachzudenken, oder?

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