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Klimaneutral leben – Ist das möglich?

Hast du dich schon einmal gefragt, wie du einen klimaneutralen Lebensstil erreichen kannst oder ob das überhaupt möglich ist? Natürlich kannst du mittlerweile alles an CO2, das auf deine Kappe geht, kompensieren. Dieser Blogbeitrag zeigt dir allerdings, wie du CO2 generell reduzieren kannst, ohne es monetär ausgleichen zu müssen.
Nachhaltigkeit
Stefanie Hermuth
5 Minuten

Der Klimawandel ist allgegenwärtig und schreitet ununterbrochen voran. Da die Politik und Industrie diesbezüglich eher träge agieren, fragen sich immer mehr Menschen, ob sie auch als Privatperson einen Unterschied machen können. Die Antwort auf die Frage ist ein klares „Ja!“. Auch Einzelne können viel erreichen, sie müssen nur wissen wie.

Im Durchschnitt verursachen Personen, die in Deutschland leben, 11,17 Tonnen CO2 pro Jahr. Das Klimaziel besagt, dass du bis 2050 nur noch für eine Tonne CO2 verantwortlich sein sollst. Aktuell verursachst du also das Elffache von dem, was du eigentlich verbrauchen solltest. Das schreit nach einem Leben im Überfluss. Hinzu kommt allerdings, dass viele ihre Ökobilanz meist ganz falsch einschätzen. So nehmen sie z.B. zum Einkaufen immer einen Jutebeutel mit und verzichten auf die Verwendung von Kunststofftüten. Sie betiteln sich als klimafreundlich, fliegen dann nach Australien und blasen mit diesem Flug die Emissionen von 500.000 Kunststofftüten in die Luft.

Machen wir uns nichts vor; ein klimaneutrales Leben geht mit einigen Umstellungen einher. Aber mit ein paar wenigen Handgriffen kann man schon einiges erreichen.

Die vier Reiter des Klimawandels

Wenn du ein klimaneutrales Leben anstrebst, solltest du dich auf die großen 4 Bereiche konzentrieren, die zu einem Großteil für CO2-Emissionen verantwortlich sind. Sie heißen Energie, Wohnen, Mobilität und Ernährung. Laut dem Umweltbundesamt stammen Emissionen von Privatpersonen zu 20,6 % aus dem Bereich Heizen und Strom, zu 18,8 % aus dem Bereich Mobilität, zu 15 % aus dem Bereich Ernährung und ganze 39,3 % beziehen sich auf deinen sonstigen Konsum, wobei letzteres auch in die anderen Bereiche einschneidet. Doch wie kannst du dieses Wissen nutzen und in effektive Maßnahmen umsetzen? Keine Panik, wir haben da ein paar Vorschläge.

Manchmal reichen tatsächlich einmalige Maßnahmen aus, um schnell einen Unterschied zu machen. Wenn du dir z.B. vornimmst, das Warmwasser zu reduzieren, kannst du dir einen Sparduschkopf und einen Durchflussbegrenzer für die Dusche anschaffen. Deine Wasserhähne kannst du mit Perlatoren ausstatten. Das kostet dich vielleicht ca. 50 € und ein paar wenige Handgriffe. Je nach Verbrauch liegt die CO2-Ersparnis allerdings bei 300 - 600 kg pro Jahr.

Auch bei der Heizenergie kannst du sparen. Stelle dein Thermostat einfach auf ein Grad weniger ein und sorge dafür, dass mögliche Heizkörpernischen und undichte Fenster abgedämmt werden. Im Übrigen können auch automatische Thermostatventile Energie sparen. Zwar kommt es hier wirklich auf den Zustand des Hauses oder der Wohnung an, aber ein Grad weniger merkst du kaum und auch hier können 300 - 600 kg CO2 eingespart werden.

Nächster Schritt: Strom sparen. Schalte die Temperatur deines Kühlschranks auf 7 Grad hoch. Du brauchst keine Angst um deine Lebensmittel zu haben, da die Temperatur vollkommen genügt, um diese frisch zu halten. Weiterhin kannst du deine Lampen mit LEDs ausstatten und dir Steckerleisten mit integrierten Zeitschaltuhren zulegen, welche dafür Sorge tragen, dass deine Geräte im Stand-by-Modus keinen weiteren Strom fressen. Kosten tut es dich ein paar Euro pro Gerät, aber CO2 kannst du je nach Verbrauch zwischen 200 und 400 kg jährlich sparen.

Kommen wir nun zu einem Punkt, der wahrlich nicht ganz billig ist: Ein energetisches Update. Es ist sehr umfassend, kann aber jahrelang Heizkosten einsparen. Wir würden zu einer freundlichen Mail an den oder die Vermieter:in raten, in der man die Vorzüge von Sanierungsmaßnahmen hervorhebt. Übrigens gibt es einige Banken, die energetische Sanierungen mit Fördermitteln unterstützen, daher lohnt sich der Versuch. Je nach Größe des Hauses liegt die CO2-Ersparnis hier bei 1.000 - 2.000 kg jährlich.

Was den Bereich Mobilität betrifft, denkst du vielleicht bereits über die Anschaffung eines Elektroautos nach. Falls dein Auto kaputt ist und du dich nach einem nachhaltigen Nachfolger umsiehst, reicht es allerdings bereits, auf eine kleine „Knutschkugel“ mit niedrigem Verbrauch zu setzen. Somit kommst du deutlich günstiger weg. Dennoch lohnt es sich, falls man innerhalb einer Stadt wohnt, zu überlegen, ob vielleicht sogar ein gänzlicher Verzicht möglich ist. Die CO2-Ersparnis liegt bei einem kleinen Wagen, der wenig verbraucht, im Übrigen bei 300 - 500 kg pro 10.000 km.

Fernab vom Auto selbst, kommt es auch darauf an, wie du es fährst. Wer auf der Autobahn unter 130 km/h bleibt und keinen unnötigen Ballast wie z.B. den Dachgepäckträger mitnimmt, spart ebenfalls 300 - 500 kg CO2 pro 10.000 km.

Generell gilt aber, wer jede fünfte Fahrt ins Büro durch die Bahn ersetzt und eine weitere durch das Rad, auf Homeoffice oder Carsharing setzt, spart 1.000 kg CO2 pro 10.000 km. Apropos Rad; Bereits 3 km am Tag machen einen großen Unterschied für die Umwelt (300 kg CO2 pro 1.000 km). Für kurze Strecken das Rad zu wählen, lohnt sich also und deine Gesundheit wird es dir ebenfalls danken.

Wenn du regelmäßig unsere Blogbeiträge liest, weißt du, dass man den Bereich der Ernährung wirklich nicht außer Acht lassen darf. Die Vorzüge einer veganen Ernährungsweise sprechen für sich (990 kg CO2 jährlich). Aber auch wer generell versucht, weniger Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren, leistet einen großen Beitrag.

Einer der größten Werte der CO2-Ersparnis findet sich dagegen im Bereich „Reisen“. Wer nicht in einen Flieger nach Australien steigt, spart ganze 15.000 kg. Natürlich ist das Reisen mit der Bahn oft mit einer längeren Reisezeit verbunden, aber es ist auch günstiger und schont somit den Geldbeutel. Wer also auf die Bahn, anstatt auf das Flugzeug setzt, spart pro 1.500 km bis zu 250 kg CO2.

Falls du bereits alle vorher genannten Punkte so gut wie möglich umgesetzt hast und noch mehr tun möchtest, um das Klima zu schützen, haben wir noch ein paar Vorschläge. Eine Optimierung wäre hier z.B. auf Ökostrom umzuschalten, Bio-Produkte zu kaufen, zu einer grünen Bank zu wechseln oder einem Klimaschutz Verband beizutreten.

Verhalten und Verhältnisse

Wer sich richtig hinter den Klimaschutz klemmt, kann seine CO2-Emissionen wahrscheinlich auf 5,5 Tonnen im Jahr halbieren. Um noch klimafreundlicher zu leben, müsste man in eine kleinere Wohnung ziehen oder in einem Passivhaus leben, ein Elektroauto fahren und so gut wie nichts konsumieren. Das ist dem Großteil der Menschheit aber einfach nicht möglich, vollkommen gleichgültig, wie sehr sie es gerne umsetzen würden. Die angestrebte Tonne pro Kopf ist momentan also nicht umsetzbar. Aber woran liegt das?

Tatsächlich lässt die aktuelle Infrastruktur dies nicht zu. Wenn du dir die Zahlen anschaust, siehst du, dass Privathaushalte zu gerade einmal 10 % zu den nationalen CO2-Emissionen beitragen. Die restlichen Werte gehen auf das Konto des Verkehrs (19 %), der Energiewirtschaft (34 %) und der Industrie (23 %). Es wirkt also so, als hätten Verbraucher:innen es gar nicht in der Hand.

Bevor du jetzt dein ganzes Handeln überdenkst, lasse dir Folgendes sagen: Auch wenn der Wert der Privathaushalte nicht so hoch ist, wie in den anderen Bereichen, machen Verbraucher:innen einen entscheidenden Unterschied. Sie bestimmen nämlich die Nachfrage und haben somit auch einen großen Einfluss auf die anderen Bereiche. Man kann also sagen, dass Verhalten und Verhältnisse sich gegenseitig bedingen. Im Klartext bedeutet dies; würde niemand Ökostrom beziehen, gäbe es ihn gar nicht im Angebot. Würde niemand radeln, würden die Forderungen nach besseren Radwegen gar nicht existieren. Einzelne Personen können also doch etwas bewirken, indem sie klimafreundlicher leben.

Du musst natürlich nicht sofort, einen negativen CO2-Fußabdruck vorweisen können, aber du kannst diesen mit ein wenig Aufwand enorm reduzieren und vielleicht sogar andere inspirieren, es dir gleich zu tun. Natürlich ist es nicht fair, dass die Verantwortung im Bezug auf CO2-Emissionen auf Verbraucher:innen abgewälzt werden. In den nächsten Jahren stehen Politik und Industrie in der Pflicht ebenfalls mitzuziehen, damit Klimaschutz nicht weiterhin auf Freiwilligkeit setzt.

Dein persönlicher Fußabdruck ist allerdings der einzige, den du stetig beurteilen und beeinflussen kannst, somit ist es empfehlenswert, diesen Prozess Schritt für Schritt umzusetzen. Um es mit anderen Worten auszudrücken; klimafreundlich zu leben reicht zwar nicht ganz aus, aber wir sollten es trotzdem tun.

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