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Lebensmittelverschwendung en masse und die daraus folgende Konsequenz

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem unserer Zeit, das erschreckende Konsequenzen nach sich zieht. Welche genau das sind und wie du als einzelne Person dagegen arbeiten kannst, erfährst du hier.
Nachhaltigkeit
Stefanie Hermuth
5 Minuten

Bei all den kleinen Problemchen, mit denen du in deinem Leben zu kämpfen hast, solltest du dir über eines klar werden: Wenn du diesen Blogbeitrag lesen kannst, bist du wahrscheinlich reich. Du hast einen Internetzugang, Familie, Freunde, ein Dach über den Kopf und vermutlich auch einen Kühlschrank, der meistens gut gefüllt ist. Dein Tisch ist jeden Tag reich gedeckt und Gefühle wie Hunger, kannst du sofort stillen, wenn dir danach ist.

Dennoch beinhaltet dieser Reichtum einen faden Beigeschmack. Wie bei vielen Personen sind wahrscheinlich auch deine Augen meist größer als dein Appetit und nicht alle deine Lebensmittel werden wirklich verbraucht. Tatsächlich landen in Deutschland mehr als 12 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Mehr als die Hälfte davon stammt aus privaten Haushalten. Somit wirft jeder von uns im Jahr durchschnittlich 80 Kilo einfach weg. Besonders erschreckend wird das Ganze deshalb, da die Lebensmittel, um die es hier geht, eigentlich noch vollkommen in Ordnung sind. Trotzdem landen sie nicht im Magen, sondern im Müll.

Von Dellen und Quetschungen

Die Lebensmittelverschwendung ist allerdings nicht nur ein Thema, das lediglich private Haushalte sondern auch den Handel betrifft. Generell gibt es für Lebensmittel Qualitätsstandards, die von der Europäischen Union vorgegeben werden und an die sich der Handel halten muss. Obwohl diese Qualitätsstandards in den letzten Jahren etwas abgenommen haben, schraubt der Handel sie jedoch auf eigene Faust wieder nach oben. Lebensmittel, die einem bestimmten Ideal nicht entsprechen, landen also weiterhin in der Tonne. „Ideal?“, fragst du dich. Ja, auch wir verbinden dieses Wort eher mit einem Model, das z.B. bestimmte Maße vorweisen muss. Doch auch Lebensmittel müssen ein bestimmtes Aussehen vorweisen, um im Supermarkt liegen zu dürfen. Paprikas, die nicht knackig genug sind bzw. irgendwelche Dellen oder Quetschungen haben, landen meist in der Tonne. Ebenso ergeht es verpackten Produkten, die gewisse Druckstellen aufweisen. Zurecht also die Frage, ob es hier um Äpfel geht, die am Eingangsbereich des Supermarkts zu finden sind oder um das Model der neuen Bademodenkollektion von irgendeiner hippen Marke.

Erschreckende Konsequenzen

Wenn Lebensmittel weggeworfen werden, hat das Konsequenzen. Die Verschwendung, die damit einhergeht, hat vielseitige Folgen, welche ökologischer, ökonomischer und sozialer Natur sein können. Im Folgenden möchten wir näher darauf eingehen.

Ökologische Folgen

Die Herstellung, Weiterverarbeitung, Verpackung und Zubereitung von Lebensmitteln kosten wertvolle Ressourcen z.B. Ackerboden, Rohstoffe wie Wasser und Saatgut sowie Geld, Arbeitskraft und Energie. Weiterhin setzt der Transport der Lebensmittel von A nach B enorm viel CO2 in die Atmosphäre frei und schädigt unser Klima damit beträchtlich. Werden die Lebensmittel dann nicht verbraucht bzw. gegessen, wurden alle notwendigen Ressourcen umsonst geschöpft und die Umwelt belastet. Gerade die Produktion von tierischen Produkten kostet enorm viele Ressourcen, da hier erst Futtermittel für die Tiere produziert werden muss. Ein Steak nicht zu essen, ist hier also der „worst case“.

Ökonomische Folgen

Die ökonomischen Folgen bekommt der Endverbraucher am stärksten zu spüren. Der offensichtlichste Grund betrifft deinen Geldbeutel. Stelle dir vor, du kaufst ein Produkt, um es im Anschluss einfach wegzuwerfen. Wenn das öfter passiert, könnte eine Hochrechnung der Kosten dafür sorgen, dass dir schwindelig wird. Wie bereits erwähnt, wirft auch der Handel eine Menge Lebensmittel weg. Allerdings leiden die Geldbeutel der besagten HändlerInnen nicht so stark wie dein eigener, da sie das verlorengegangene Geld der weggeworfenen Lebensmittel durch eine Preiserhöhung wieder ausgleichen, die letztendlich wieder von VerbraucherInnen (also auch von dir) bezahlt werden muss. Es ist ein trauriger Fakt, dass es immer noch günstiger ist, Lebensmittel zu produzieren und wegzuwerfen, als am Ende des Tages KundInnen im Geschäft enttäuschen zu müssen, weil das Brot X schon ausverkauft ist.

Soziale Folgen

Lebensmittelverschwendung führt auf kurze oder lange Sicht zu einer Verknappung, die sich letztendlich in einem Preisanstieg bemerkbar macht. Somit können sich viele Personen, die bereits Schwierigkeiten damit haben, über die Runden zu kommen, die Lebensmittel erst recht nicht mehr leisten. Weiterhin werden die Ackerböden in den Anbauländern oft vollkommen umsonst benutzt, obwohl die Menschen dort, sie für den eigenen Anbau benutzen könnten. Oft sind dies Menschen, die kaum oder gar nichts zu essen haben. Während weltweit ca. 820 Millionen Menschen  Hunger erleiden müssen, haben wir das Glück, dreimal täglich einen randvollen Teller auf dem Tisch vorzufinden, von dem wir so viel gar nicht brauchen. Tatsächlich würden allein die Lebensmittelabfälle von Europa und Nordamerika dreimal ausreichen, um alle Hungernden auf diesem Planeten zu ernähren.

Ein Ehrenamt, das mehr als löblich ist

Sehr viele Menschen haben das Problem der Lebensmittelverschwendung erkannt und bekämpfen es ziemlich erfolgreich. MitarbeiterInnen von Food Sharing Organisationen z.B. sammeln alle Lebensmittel ein, die nicht dem Ideal entsprechen und deshalb auch nicht im Supermarkt zu finden sind. Auch Lebensmittel, die beispielsweise in der Mensa einer Universität übrig bleiben, werden von ihnen „gerettet“ und zu Personen geliefert, die diese haben möchten. Bei diesen Organisationen geht es im Gegensatz zu dem Grundgedanken der Tafel nicht darum, Menschen zu beliefern, die bedürftig sind, sondern einfach Menschen, die diese Lebensmittel gerne haben und verwerten möchten glücklich zu machen. Das ist der Sinn der Sache; Hauptsache es wird verwertet bzw. gegessen. Wenn du also glaubst, dass Food Sharing Organisationen nur für Menschen sind, die sich die Lebensmittel nicht leisten können, dann geniere dich nicht weiter und informiere dich gerne, an wen du dich wenden kannst, um auch ein „Reste Retter“ zu werden. Du kannst dir in diesem Fall tatsächlich kostenfrei einfach nehmen, was du brauchst. Dadurch sparst du dir oftmals nicht nur das Kochen, sondern auch einen gewissen Betrag an Geld. Die Lebensmittel, die niemand sonst möchte, sind nämlich gänzlich umsonst. Food Sharing bleibt nämlich ein Ehrenamt, aus dem kein Profit geschlagen werden darf.

Wenn du stattdessen nach einer anderen Möglichkeit suchst, Lebensmittel vor der Tonne zu retten, informiere dich doch mal über „Zero Waste Kitchen“. Einen passenden Artikel, der dir in diesem Fall mit Rat und Tat zur Seite steht, findest du demnächst in unserer App.

Fazit

Wenn du das nächste Mal in den Supermarkt gehst, denkst du vielleicht an diesen Blogbeitrag zurück und vertraust beim Kauf der Lebensmittel weniger auf deine Augen als auf deinen Magen. Manchmal reichen schon kleine Überlegungen wie „Brauche oder esse ich das wirklich?“ aus, um Lebensmittel vor der eigenen Tonne zu bewahren. Ein kleiner Tipp wäre da, einfach öfter einkaufen zu gehen, damit man bei einem Monatseinkauf einfach nicht Gefahr läuft, sich zu verschätzen. Wenn du dir stattdessen wirklich einplanst, was du brauchst, kannst du einen großen Beitrag leisten. Solltest du dich dennoch bei der Menge der Lebensmittel verschätzen, frage doch einfach deine NachbarInnen, ob sie deine Lebensmittel noch verwerten möchten. Das wäre auch eine Möglichkeit, um sich nach der langen Zeit des Lockdowns wieder etwas anzunähern. Generell gilt aber: Es heißt „mindestens haltbar bis“ und nicht „tödlich ab“.

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