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Minimalismus – Ist weniger wirklich mehr?

Ist weniger wirklich mehr? Dieser Fragestellung wollen wir in unserem aktuellen Blogbeitrag nachgehen. Wir erklären dir, was genau man unter dem Begriff "Minimalismus" verstehen darf, weshalb es sich lohnt, über ein minimalistisches Leben nachzudenken und wie man es erreichen kann.
Nachhaltigkeit
Stefanie Hermuth
5 Minuten

„Weniger ist mehr“ und „Geiz ist geil“ – Gegensätzlicher geht es nicht, aber welche Aussage entspricht denn nun der Wahrheit? Personen, die minimalistisch leben, würden definitiv immer zu der ersten Aussage tendieren. Aber wie genau leben diese eigentlich und wie sehen ihre Wertvorstellungen aus?

Minimalismus lässt sich nicht klar definieren, da jede Person diese Begrifflichkeit anders bewertet. Minimalisten sind jedoch der Ansicht, dass es sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn um das Befreien von Ballast, der Reduzierung von als unnötig Empfundenen oder auch der Wunsch nach einem einfachen Leben geht. Die Spannbreite des Umsetzens eines minimalistischen Lebens ist riesig. Von der bewussten Reduzierung bestimmter Dinge bis hin zur gänzlichen Selbstversorgung ist alles möglich. Minimalismus kann bedeuten ohne Auto, Fernseher, Kühlschrank oder sogar ohne Geld zu leben, so wenig Gegenstände wie möglich zu besitzen, keinen Müll zu produzieren, Lebensmittel selbst anzubauen oder Dinge selbst zu reparieren. Er kann aber auch mit weniger Arbeit, dem Schlussstrich aus unbefriedigenden Beziehungen oder des Ablegens belastender Gewohnheiten einhergehen.

In jedem Fall, stellt Minimalismus die Gegenbewegung zum ständigen Überfluss und Materialismus der westlichen Gesellschaft dar. Gleichzeitig ist diese Art des bewussten Verzichts sicherlich aber auch als Reaktion auf mediale Berichterstattungen und der Verfügbarkeit von Informationen über Problematiken zu bewerten. Diese Problematiken befinden sich im Bereich der Massentierhaltung, der Palmölproduktion, dem Umgang mit Plastikmüll und der Ausbeutung von Textilarbeiter:innen. 

Aber wie genau beschränkt man sich auf das Wesentliche? Wir haben im Folgenden natürlich ein paar Tipps für dich im Gepäck, die dir helfen sollen, Entscheidungen bewusster zu treffen und dir vielleicht auch zu einem glücklicheren Leben verhelfen können. Fakt ist, dass du für ein minimalistisches Leben nicht gleich in eine Blockhütte ziehen und fortan wie ein Einsiedlerkrebs leben musst. Mit Hilfe von einigen Minimalismus-Strategien kannst du an der modernen Gesellschaft teilhaben und dir dennoch Freiräume schaffen.

Einfach mal die Hufe schwingen

Natürlich ist es sehr bequem mit dem Auto oder dem Bus zur Arbeit zu fahren. Falls du es umsetzen kannst, solltest du jedoch einen festen Tag in der Woche bestimmen, an dem du einfach mal zur Arbeit, zum Einkaufen oder einer Verabredung läufst. Wieso du das tun solltest? Nun ja, in diesem Fall brauchst du dich weder über den Verkehr oder den überfüllten Bus zu ärgern. Abgesehen davon, brauchst du keinen Sprit oder Strom und hast endlich mal die Zeit, dich nur auf dich selbst und dein eigenes Leben zu konzentrieren. Minimalistischer und nachhaltiger geht es kaum.

Brauchst du das wirklich?

Diese Fragestellung ist gar nicht mal so banal, wie sie im ersten Moment klingen mag. Tatsächlich kaufen wir alle ständig Dinge, die wir gar nicht wirklich brauchen. Dennoch legen wir sie uns zu, da sie günstiger, einfach verfügbar oder gerade im Trend sind. Wenn du regelmäßig unsere Blogbeiträge liest, weißt du jedoch, dass dieser Konsumrausch von kurzer Dauer ist und die damit einhergehenden Glücksgefühle schnell wieder abklingen. Es dauert nicht lange, bis du wieder etwas siehst, von dem du glaubst, dass es die Leere in dir füllen kann, aber das wird es nicht tun. Die Wahrheit ist, dass der Mensch dazu veranlagt ist, nie mit dem zufrieden zu sein, was er besitzt und stetig nach mehr trachtet. Es ist also wichtig zu lernen, dass Verzicht oft die bessere Option ist, um dem Konsum Strudel zu entfliehen.

Minimalistische Küche

Fertig- oder auch Halbfertigprodukte sind in unseren Augen alles andere als minimalistisch und nachhaltig. Mit all ihren Zusatzstoffen wirken sie eher wie Tod- und nicht wie Lebensmittel. „Echtes Essen“ dagegen kommt gänzlich ohne Zusatzstoffe aus, weshalb wir dir empfehlen würden, dein Essen selbst zu kochen. Mit frischen und einfachen Zutaten aus der Region, etwas Zeit, Muße und Ruhe fährst du am besten. Es ist einfach besser für dich und den Planeten. Auch eine Reduzierung des Fleischkonsums ist ratsam. Die Billigpreise in den Discountern lassen oft etwas anderes vermuten, dennoch ist Fleisch nach wie vor ein Luxusprodukt und sollte auch in entsprechend geringen Mengen gekauft und konsumiert werden. Hier gilt, lieber weniger, dafür Bio-Fleisch von höherer Qualität, was dazu führt, dass du obendrein auch noch Geld sparst.

Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, baue dein Essen doch selbst an. Selbst auf dem kleinsten Balkon oder Fensterbrett ist genug Platz, um etwas Gemüse oder diverse Kräuter anzupflanzen. Deine Ernte fällt gänzlich ohne Zusatzstoffe, Verpackung und langen Transportwege aus. Abgesehen davon, bringt dir diese Art von Selbstversorgung nicht nur Freude. Auch ein gewisser Stolz wird hier mitschwingen. Im Übrigen, brauchst du für deine Getränke keinen grünen Daumen. Wer auf Leitungswasser setzt, muss keine Flaschen mehr durch die Gegend schleppen und spart auch hier Zeit und Geld.

Abschalten ist die Devise

Deine technischen Geräte laufen ununterbrochen. Der Fernseher ist im Stand-by-Modus, der Wäschetrockner läuft, das Smartphone lädt auf und sämtliche Lichter brennen. Bewusst Energie zu sparen, macht dich automatisch minimalistischer und vor allem auch glücklicher. Es ist ganz normal, dass man nach einiger Zeit eine große Ablehnung gegenüber der stetigen Erreichbarkeit entwickelt. Wieso also nicht lernen, abzuschalten und zwar sowohl Geräte als auch sich selbst? Was dir zu Beginn wahrscheinlich fehlen wird, wird deine nächste Stromrechnung wett machen.

Nicht entsorgen, sondern reparieren

Minimalismus bedeutet nicht nur, mit wenigen Dingen auszukommen, sondern diese auch so lange wie möglich zu nutzen. Wenn du nicht gerade der oder die geborene Heimwerker:in bist, macht das gar nichts. Falls bei dir etwas kaputt gehen sollte und du die Reparatur nicht auf eigene Faust erledigen kannst, bitte einfach in einem Repair Café um Hilfe. Du wirst mit Sicherheit aber schnell merken, dass Reparaturen dich deine alltäglichen Gegenstände viel mehr wertschätzen lassen.

Ausmisten

Gerade in deinem Kleiderschrank finden sich mitunter eine Menge Kleidungsstücke, die du bereits ewig nicht mehr getragen hast. Wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass du den Inhalt deines Schranks nicht gleich wie ein Minimalismus-Profi auf eine Handvoll Kleidungsstücke reduzieren musst. Dennoch kann es sehr befreiend wirken, radikal auszumisten, ohne den Schrank im Anschluss wieder aufzufüllen. Die quälende Fragestellung „Was ziehe ich heute an?“ wird damit passé sein, da du einen viel besseren Überblick darüber bekommen wirst, welche Kleidung du überhaupt im Schrank hast. Somit bleibt dir deutlich mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens.

Bewusste Auszeit für dich und deinen Körper

Minimalistisch zu leben, bedeutet im Übrigen auch nicht, stetig nach Unterhaltung und Gesellschaft streben zu müssen. Nimm dir doch mal die Zeit und fülle sie mit Dingen, die dich erfreuen. In diesem Fall ist es auch irrelevant, ob du Yoga machst, spazieren gehst oder auch den ganzen Tag im Bett bleibst. Wichtig ist, dass du dich in deiner Haut wohlfühlst und Spaß hast. Entspannung und Ruhe sind nämlich zwei Aspekte, die jede Person braucht, um ihren Alltag zu bewältigen.

Fazit

Auf die Frage hin, ob weniger wirklich mehr ist, können wir festhalten, dass Minimalismus tatsächlich einen Mehrwert hat. Einmal richtig auszumisten und sein Leben nur mit Dingen zu füllen, die man wirklich braucht, kann dir dein Leben schlicht und einfach gesagt erleichtern. Du wirst auf dem Weg zu einem minimalistischen Leben nicht nur viel Geld sparen und Glück erhalten, sondern auch den Planeten schonen. Was wir nach diesem Blogbeitrag nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit wissen ist, dass Minimalismus und Nachhaltigkeit zusammen harmonieren wie Waffeln mit heißen Kirschen.

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