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Was passiert mit unserem Müll und wie sinnvoll ist unser Mülltrennungssystem wirklich?

Dieser Blogbeitrag klärt dich darüber auf, wie viel Müll du durchschnittlich produzierst, wie genau dieser wiederverwertet wird und wie du es schaffst gänzlich ohne ihn zu leben.
Nachhaltigkeit
Stefanie Hermuth
6 Minuten

Müll, Müll und noch mehr Müll. Durchschnittlich produziert jeder Deutsche 462 kg pro Jahr. Dazu zählen 159 kg Hausmüll, 123 kg Biomüll, 69 kg Papier und Pappe, 33 kg Verpackungen, 29 kg Sperrmüll, 23 kg Glas und 8 kg Elektroschrott. Deutschland gilt hierbei als größter Müllproduzent der Europäischen Union. An sich verfügt unser Land über ein gutes Mülltrennungssystem, das ganz klar zwischen Abfall und wertvollem Rohstoff unterscheidet. Allerdings ist dieses System auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Wenn du also z.B. Pappe in deine graue Tonne schmeißt, geht der Zweck der Wiederverwertung verloren und zack landet der Inhalt der Tonne gänzlich in der Müllverbrennungsanlage. Dass du bei diesen ganzen Arten von Müll nicht mehr so ganz durchblickst, nehmen wir dir nicht übel, weshalb dieser Blogbeitrag als kleiner Crashkurs in Sachen richtige Mülltrennung dienen soll, deine grauen Zellen wieder auffrischt und dich in Zukunft zu einem echten Recycling Experten macht.

Restmüll

Wenn die Müllabfuhr das nächste Mal vor deiner Tür anhält, um deinen Restmüll mitzunehmen, denke daran, dass so ein Müllwagen den Inhalt von 500-600 Mülltonnen bzw. 10 Tonnen Restmüll fassen kann. Dieser Restmüll findet im Müllwagen seinen Weg zur Kippe und landet dort in der Verbrennungsanlage, in der täglich weitere 1800 bis 2000 Tonnen Müll landen. Das ist tatsächlich mehr, als man an einem Tag dort verbrennen kann.

Gab es früher noch städtische Mülldeponien, auf denen der Müll einfach nur gelagert wurde, sind diese heute nicht mehr zulässig, da der Müll schädliche Gase wie u.a. Methan in die Umwelt abgibt und so effektiv gegen den Klimaschutz arbeitet. Stattdessen sieht man heute in unserem Abfall noch großes Potential. Während des Verbrennungsprozesses entstehen sowohl organische, als auch anorganische Schadstoffe. Während die organischen Schadstoffe sich beim Verbrennen in Luft auflösen, müssen die anorganischen Schadstoffe wie z.B. Quecksilber, die nicht zerstört werden können, durch die Rauchgasreinigung gefiltert werden. Das muss gemacht werden, damit sie beim Austritt in die Umwelt keinen größeren Schaden anrichten. Übrigens gleicht die Energie, die beim Verbrennen entsteht, der von 22.000 Herdplatten, was man natürlich nicht unbenutzt lassen möchte. Mithilfe der Dampfproduktion wird diese Energie in Strom bzw. Fernwärme umgewandelt. Nachdem der Müll verbrannt wurde, steht man vor einem riesigen Berg aus Schlacke, der zu einem Viertel aus nicht brennbarem Material wie z.B. Kupfer besteht, was im Anschluss aussortiert und zum Recycling gebracht wird. Der Rest der Schlacke wird Mineralik genannt und eignet sich perfekt als Baustoff für den Straßenbau. Unser Restmüll wird also thermisch wiederverwertet, was so viel bedeutet wie „Wir holen jedes noch so kleine Kügelchen heraus und arbeiten damit!“

Papier & Pappe

Der Inhalt der blauen Tonne sollte lediglich aus Papier und Pappe bestehen. In Deutschland kommen jedes Jahr 23 Millionen Tonnen Altpapier zustande, die erst zusammengepresst und anschließend in ihre Bestandteile zerlegt werden. Die alten Papierfasern werden vollständig recycelt und es entsteht neues Papier bzw. Kartons, Zeitungen oder Kopierpapier. Leider kann dieser Kreislauf sich jedoch nicht ewig wiederholen. Nach 7 Zyklen sind die Papierfasern so kurz, dass kein weiteres Recyclen mehr möglich ist. Dennoch muss man anmerken, dass die Wiederverwertung bis dahin einen großen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit leistet. Letztendlich kommen nämlich 60 % Wasser- und 70 % Energieersparnis zusammen.

P.S.: Pizzakartons gehören übrigens nicht in die blaue Tonne!

Biomüll

Wenn unsere Biotonne abgeholt wird, landet der Biomüll in sogenannten Rottetunneln. Hier wird er mit Wasser und Frischluft behandelt, sodass Bakterien und andere Mikroorganismen für eine Zersetzung des Mülls innerhalb von 3 Wochen sorgen. Anschließend werden nicht kompostierbare Reste wie Folienreste oder Metalle aussortiert, bevor der Kompost mithilfe von Maschinen in verschiedene Größen gesiebt wird. Das Endprodukt ist dann ein Dünger, der der Landwirtschaft oder dem Garten- und Landschaftsbau dienen soll.

Glas

Altes Glas wird, wie viele vielleicht bereits wissen, schon getrennt gesammelt. Hier wird zwischen braunem, grünem und weißem Glas unterschieden. Wenn diese Container geleert werden, landet der Inhalt in einem Recyclingwerk, in dem die Mitarbeiter zuerst alles an Müll aussortieren, was nicht in die Container gehört. Böse Zungen behaupten, dass man sich diesen Schritt meist schon sparen könnte, wenn jeder seinen Müll richtig trennen würde. Anschließend zieht eine Maschine mithilfe eines Magneten alle Metalldeckel raus. Es ist also kein Problem, seine Glasbehältnisse mit dem dazugehörigen Deckel zu entsorgen. Jetzt muss das Glas nur noch gereinigt, geschreddert und nach Farben sortiert werden, bevor es bei 1600 Grad eingeschmolzen wird. Mit wenigen Zutaten wie Sand und Kalk können so neue Glasflaschen und -behältnisse entstehen. Im Gegensatz zum Papier endet dieser Kreislauf nie, da Glas beliebig oft recycelt werden kann und somit beim Thema Nachhaltigkeit ein richtiges Vorzeigeprodukt ist.

Verpackungsmüll

Unser Verpackungsmüll besteht zum Großteil aus Kunststoff bzw. Plastik. In den letzten 20 Jahren hat sich sein Aufkommen pro Kopf verdoppelt. Denke einmal an die ganzen Plastiktüten, die es in jedem Supermarkt oder Bekleidungsgeschäft gibt. Allerdings gibt es beim Verpackungsmüll einige Unterschiede, die wichtig zu erwähnen sind. Während die Kosten des Recyclings meist von SteuerzahlerInnen übernommen werden, hat der Gesetzgeber im Falle des Verpackungsmülls dafür gesorgt, dass die Unternehmen die Kosten übernehmen müssen, die den Müll auch in den Umlauf bringen. Gut zu wissen oder? Aber auch wenn du die Kosten hierfür nicht direkt tragen musst, möchtest du doch bestimmt trotzdem wissen, wie du deine gelbe Tonne bzw. deinen gelben Sack korrekt befüllst, um einer händischen Nachsortierung vorzubeugen. Das ist von Kommune zu Kommune tatsächlich ziemlich unterschiedlich. So dürfen in Kommunen, in denen nur die gelbe Tonne bzw. der gelbe Sack existiert, lediglich Verpackungen entsorgt werden. In Kommunen, in denen die Wertstofftonne existiert, dürfen auch stoffähnliche Produkte, wie z.B. die Salatschüssel aus Kunststoff entsorgt werden. Zugegeben gestaltet sich das Recyceln im Falle des Verpackungsmülls ziemlich schwer, da unsere Verpackungen meist aus unterschiedlichen Kunststoffen bestehen. Nimm z.B. eine Chipstüte. Diese enthält im Inneren noch eine Alubeschichtung und die gehört normalerweise in die Verbrennungsanlage.

Deutschland als Vorreiter des Recyclings?

Die Länder in der Europäischen Union recyceln gerade einmal 28 % ihres Hausmülls. Deutschland erreicht hierbei mit 47 % einen ziemlich vorbildlichen Prozentsatz. Aber der Schein trügt, denn so einfach ist es nicht. Unser Mülltrennungssystem bietet an sich die besten Voraussetzungen, dennoch besteht hier ganz klar Luft nach oben. Die Hälfte unseres Abfalls ist mehr ein wertvoller Rohstoff denn Müll. Allerdings erfordert dies eine korrekte und penible Mülltrennung, die von keiner Maschine umgesetzt werden kann. Wir wollen als Beispiel hier den Joghurtbecher nennen, der nur recycelt wird, wenn vorher der Aluminiumdeckel abgerissen wurde und der Becher selbst, mit dem Löffel ordentlich ausgekratzt wurde, da die Maschinen auch stark verschmutzten Müll direkt aussortieren.

Deutschland mag zwar Weltmeister beim Verpackungsmüll sein, dennoch fließen bei der Herstellung von neuen Produkten immer noch zu 86 % neue Materialien mit ein. Gerade einmal 14 % der Materialien werden recycelt. Beim Kunststoff sieht das Ganze noch schlimmer aus. Aus recyceltem Kunststoff könnten wir rein theoretisch Parkbänke, Leitplanken, die Beschilderung auf der Autobahn und neue Mülltonnen herstellen. Allerdings enthält recycelter Kunststoff keine satten Farben, weshalb er unmöglich zu neuen Mülltonnen verarbeitet werden kann, da der Gesetzgeber vorsieht, dass diese satte Farben haben sollen, welche im Sonnenlicht einen gewissen Glanz mit sich bringen. Wir könnten also viel mehr aus unserem Müll rausholen, wenn wir denn dürften. Dabei ist es gerade in Zeiten des Klimawandels, in denen dem Thema Nachhaltigkeit immer größere Aufmerksamkeit geschenkt wird umso wichtiger, eine Kreislaufwirtschaft zu erschaffen. Stelle dir vor, dass aus jedem Produkt, das du entsorgst, ein neues hergestellt wird. Cooler Gedanke oder?

Hoffnung beim Sperrmüll?

Alles, was zu sperrig für die Tonne ist, landet meist auf dem Sperrmüll. Hier hat man also einiges zu tun. Grünabfälle werden kompostiert, Hausmüll wird verbrannt, Holz wird in Biokraftwerken verbrannt usw. Allerdings gibt es hier einen großen Hoffnungsträger: die Recyclingbörse. Hier arbeiten Personen, die viele Produkte aus dem Sperrmüll retten und ihnen eine zweite Chance geben. Zurecht fragen sich diese Menschen, warum eine Kaffeemaschine, die noch voll in Ordnung ist und ihre Arbeit tut, weggeschmissen wird, nur weil sie vielleicht nicht mehr im Trend liegt. Diese Produkte finden ihren Weg durch die Recyclingbörse in neue Hände, die nicht ganz so viel Geld besitzen und sich solche Dinge normalerweise nicht leisten können. Hier wird also nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gehandelt, was wir bemerkenswert finden.

Auch Menschen, die sich auf Redesign spezialisiert haben, trifft man regelmäßig auf dem Wertstoffhof. Durch sie kann ein alter Schrank, der bereits seine besten Jahre hinter sich hat, auch mal zu einem Sessel werden, der zu 100 % aus recyceltem Material besteht.

Fazit

Beim Thema Recycling erfüllt Deutschland definitiv den Grundgedanken. Allerdings müssen wir immer wieder feststellen, dass es an der Umsetzung hapert und wir noch viel mehr aus unserem Müll machen könnten. Allerdings müsste sich dafür auch einiges in der Politik ändern und bis dahin kostet uns Recycling eine Menge Geld und Energie. Bleibt die Frage, ob Verzicht nicht manchmal die bessere Option ist.

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