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Wie sinnvoll ist das Pflanzen von Bäumen im Angesicht des Klimawandels wirklich?

Dass Bäume große Mengen an CO2 speichern können, ist den meisten Personen bewusst. Somit werben aktuell zahlreiche Unternehmen mit dem Pflanzen neuer Bäume zur CO2-Kompensation. Doch bringen solche Aufforstungsprojekte wirklich etwas oder ist das alles bloß heiße Luft?
Nachhaltigkeit
Stefanie Hermuth
5 Minuten

Der voranschreitende Klimawandel ist nach wie vor ein zentrales Thema unserer Zeit. Unsere Wälder sind für das Klima unerlässlich, da sie große Mengen des Treibhausgases CO2 speichern, dessen Reduzierung als Schlüsselfaktor im Kampf gegen den Klimawandel verstanden wird. Im Zuge dessen stellt sich die Frage, ob Aufforstung die Lösung ist, wenn es darum geht, den Klimawandel zu verlangsamen bzw. vielleicht sogar umzukehren. In der Theorie klingt das ganze relativ vielversprechend, doch wie sieht es praktisch aus? Und warum ist das Pflanzen von Bäumen für das Klima so umstritten, dass viele Umweltorganisationen keine Unterstützung leisten?

Nicht ganz unumstrittene Vorteile

Aktuell werben zahlreiche Unternehmen mit klimaneutralen Produkten oder Firmenstandorten. Gleichzeitig investieren viele von ihnen in Aufforstungsprojekte, um ihre CO2-Emissionen rechnerisch auszugleichen. Auch viele Privatpersonen folgen demselben Gedanken und spenden für diese Projekte oder pflanzen Bäume über Umweltorganisationen, um z.B. Flugreisen zu kompensieren. Klar ist, dass Bäume für das Klima essentiell sind, da sie in der Lage sind, CO2 zu speichern und Sauerstoff freizugeben, was stabile Temperaturen auf der Erde nach sich zieht. Du könntest also meinen, dass mehr Bäume gleichzeitig mehr gebundenes CO2 bedeuten. Allerdings ist das Pflanzen von Bäumen und ein nachhaltig positiver Effekt für das Klima abhängig von der Zeit nach dem Auspflanzen und weiteren Faktoren, die wir dir gerne verraten möchten.

Intakte Wälder sind nicht nur gut für das Klima, sondern bilden auch den Lebensraum zahlreicher Tiere und Pflanzen, weshalb ihnen in puncto Artenvielfalt eine große Rolle zuteil wird. Eine Studie der ETH Zürich kam vor zwei Jahren zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel aufgehalten werden könne, wenn weltweit massive Aufforstung betrieben würde. Diese Aufforstung müsste in der Größe der Fläche der Vereinigten Staaten umgesetzt werden. Kritiker:innen betonten jedoch schnell den Knackpunkt, dass nicht alle genannten Flächen der Forscher:innen für eine Aufforstung geeignet seien. So wäre z.B. die Tundra zu kalt für Mischwälder. In den letzten Jahren kamen sie zu dem Entschluss, dass das „ziellose“ Pflanzen neuer Bäume nicht die beste Option sei, um den Klimawandel zu stoppen. Genau aus diesem Grund haben auch nicht alle Umweltorganisationen die Aufforstung in ihrem Programm.

4 unerlässliche Punkte

Umweltschützer:innen betonen, dass beim Pflanzen neuer Bäume vier Punkte unerlässlich seien, wenn man einen positiven Effekt auf das Klima erzielen möchte.

Der erste Punkt widmet sich dem Wachstum und der Pflege des Baums. Tatsächlich gilt, je älter Bäume sind, desto mehr CO2 können sie speichern. Ein gewisses Alter spielt hierbei also eine große Rolle, um genügend Schmutz und CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Gleichzeitig kann eine positive Auswirkung auf das Klima nicht sofort nach dem Pflanzen des Baums erreicht werden. Hierfür bedarf es mehrere Jahre der Pflege, wofür eine Menge Wasser nötig sein wird.

Der zweite Punkt widmet sich den unterschiedlichen Baumarten. Du solltest verstehen, dass Baum nicht gleich Baum ist, da jede Baumart unterschiedlich viel CO2 speichern kann. Eine Fichte z.B. speichert weniger CO2 als eine Kiefer, Eiche oder Buche. Da sich die klimatischen Bedingungen durch den voranschreitenden Klimawandel immer wieder ändern, muss regelmäßig geprüft werden, welche Bäume, auf welchen Böden, in welcher Region angepflanzt werden sollten, damit sie auch wirklich effektiv gegen den Klimawandel arbeiten können.

Der dritte Punkt befasst sich mit dem Unterschied zwischen Monokulturen und Mischwäldern. Während Mischwälder bessere CO2-Speicher und ebenso weniger anfällig für Schädlinge wie z.B. dem Borkenkäfer sind, fallen Monokulturen auch eher Wetterphänomenen wie Stürmen zum Opfer. Baumplantagen mit denselben Baumarten haben also nur einen bedingt positiven Einfluss auf das Klima.

Der vierte Punkt beinhaltet eine Tatsache, die kaum jemandem bekannt ist. Auf dem ersten Platz der CO2-Speicher befinden sich nämlich keine Wälder, sondern Moore. Weltweit können Moore sogar doppelt so viel CO2 speichern wie Wälder und sie sind ebenso für die Artenvielfalt verantwortlich. Daher lohnt es sich nachweislich, sie zu schützen und zu renaturieren. Außerdem sollten kohlenstoffhaltige Böden sowieso nicht neu bepflanzt, sondern in ihrem Zustand bewahrt werden.

Schutz der Wälder als höchstes Gut

Da das Pflanzen neuer Bäume und der damit einhergehende positive Effekt auf das Klima von so vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig ist, stehen Unternehmen und Organisationen immer wieder in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie in der Kompensation ihrer CO2-Emissionen die Möglichkeit sehen, dennoch fröhlich weiter und gedankenlos CO2 zu emittieren. Viele Expert:innen sind sich einig, dass das Schützen der Wälder noch schneller und besser gegen den Klimawandel hilft, weshalb sie stetig an uns alle appellieren, auch stärker gegen die Abholzung des Regenwaldes vorzugehen.

Apropos Regenwald; dieser wird nicht umsonst als „grüne Lunge“ unserer Erde bezeichnet. Dennoch nimmt die Abholzung immer stärker zu. Tatsächlich ist seit Beginn der Corona Pandemie sogar eine Steigerung von Raubbau zu vermuten, da Kontrollen hier schwieriger durchzuführen sind. Zur Abholzung kam obendrauf noch der vernichtende Waldbrand hinzu, an den du dich wahrscheinlich auch noch schmerzlich erinnern wirst. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht einige Tipps für dich hätten, wie du zum Schutz des Regenwaldes beitragen kannst.

Der Regenwald wird vor allem deshalb gerodet, weil er Platz für Weideflächen und dem Anbau von Soja als Futtermittel für Vieh generieren soll. Daher empfiehlt es sich, deinen Fleischkonsum und den Verzehr von tierischen Produkten zu reduzieren und auf Erzeugnisse aus der Massentierhaltung gänzlich zu verzichten.

Ebenso werden weltweit Wälder gerodet, um Ölpalmen-Plantagen anzupflanzen, weshalb auch der Verzicht von Palmöl eine große Rolle spielen kann. Palmöl findet sich in zahlreichen Lebensmitteln wie Fertiggerichten, Margarine, Müsli, Schokolade, Schokoaufstrichen, Süßigkeiten, Tütensuppen und Kosmetik wieder. Zugegebenermaßen gestaltet sich die Suche nach Produkten, die gänzlich ohne die Verwendung von Palmöl auskommen immer etwas schwierig. Sollte dir dies wirklich nicht gelingen, kannst du zumindest auf Bio-Produkte und Erzeugnisse mit zertifiziertem Palmöl setzen.

Auch das Einsparen von Papier ist essentiell, wenn man etwas zum Schutz des Regenwaldes beitragen möchte. Tatsächlich kann dir dies sogar ziemlich easy gelingen, wenn du dir vornimmst, nicht alles auszudrucken und auch deine Werbepost abbestellst. Schließlich kannst du dich auch im Netz, per App oder Newsletter problemlos über Angebote informieren lassen. Falls du doch einmal Papier kaufen musst, versuche auf recyceltes Papier zu setzen. So spart z.B. Toilettenpapier in recycelter Form eine Menge Wasser und dafür müssen definitiv keine Bäume gefällt werden.

Fazit

Das Pflanzen von Bäumen scheint aktuell ein hipper Trend zu sein, der theoretisch nach einem löblichen Vorhaben klingt. Dennoch gestaltet sich das ganze auf praktischer Ebene etwas schwieriger, da es für das Klima nur dann sinnvoll ist, wenn der Schutz bestehender Wälder vorangetrieben wird und die Aufforstung nicht mit einem Freifahrtschein gleichgesetzt wird, der zum weiteren fröhlichen Konsumieren animiert. Denn der Vermeidung von CO2-Emissionen durch weniger Flugreisen, erneuerbare Energien und weniger Fleischkonsum sollte weiterhin die höchste Priorität zugesprochen werden.

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